Peter Lichtenthäler im “Forum der Demokratie”, Viernheimer Tageblatt, Ausgabe vom 16.02.2026


Die Kürzungen für Integrationskurse sind ein schlechtes Signal für die betroffenen Menschen, den Arbeitsmarkt und für Viernheim

Nach den jüngsten Entscheidungen des Bundesinnenministeriums sollen Asylbewerber/-innen, Geduldete, Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine sowie EU-Bürger/-innen ab sofort keinen Zugang mehr zu den vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) finanzierten Sprach- bzw. Integrationskursen haben. Dies ist ein schlechtes Signal für die Betroffenen und den Arbeitsmarkt – auch in Viernheim.

In vielen Branchen fehlen bereits heute Fachkräfte – auch bei uns vor Ort. Der anstehende Renteneintritt der geburtenstarken Jahrgänge (Babyboomer) wird diese Situation in den kommenden Jahren weiter verschärfen. Die Integration von Zugewanderten in den Arbeitsmarkt ist ein zentraler Schlüsselfaktor, um die entstehende Lücke zu schließen. In vielen Mangel- und Engpassberufen sind Beschäftigte mit Einwanderungsgeschichte bereits heute überdurchschnittlich stark vertreten, beispielsweise im Baugewerbe, in der Lebensmittelindustrie, in der Gastronomie oder im Personen- und Güterverkehr. Das gilt auch für die Altenpflege: Bereits im Jahr 2023 hatte dort knapp ein Drittel der Beschäftigten (31 %) eine Einwanderungsgeschichte. In der Gesamtwirtschaft traf das auf gut ein Viertel (26 %) aller abhängig Beschäftigten zu. Wir wollen uns gar nicht ausmalen, was passieren würde, wenn all diese Personen nur für einen halben Tag die Arbeit niederlegen würden.

Für viele Berufe sind ausreichend gute Sprachkenntnisse erforderlich oder sogar verpflichtend, insbesondere bei der Aufnahme einer Ausbildung oder einer Anpassungsfortbildung. Es liegt in unserem eigenen Interesse, eingewanderten Menschen so schnell wie möglich den Zugang sowohl zu Sprachkursen als auch zum deutschen Arbeitssystem zu eröffnen, beispielsweise durch Praktika oder Arbeitserprobungen.

Dies gilt besonders für Branchen, in denen Arbeitskräfte dringend benötigt werden. Viernheim beschreitet mit der modellhaften Fachkraftinitiative für Viernheimer Kitas und dem Projekt “Rein in die Arbeit” für Pflegeberufe erfolgversprechende Wege. Durch die Zusammenarbeit vor Ort werden bereits in den Sprachkursen Personen ermittelt, die sich für diese Berufe interessieren, und auf dem Weg in den hiesigen Arbeitsmarkt und die deutsche Gesellschaft begleitet.

Es gehört jedoch gar nicht zur Zuständigkeit einer Kommune wie Viernheim, solche Integrationsmaßnahmen zu organisieren – wir übernehmen diese Aufgabe freiwillig. Denn leider fehlt es immer noch an einer konsequenten gesamtstaatlichen Strategie und abgestimmten Schritten, um Zugewanderte schnell und effektiv in Arbeit zu vermitteln und in unsere Gesellschaft zu integrieren.

Die Sparbeschlüsse des Bundesinnenministers gehen daher in die völlig falsche Richtung. Die Rechnung wird nicht aufgehen. Ohne ausreichende Deutschkenntnisse können die Menschen nicht arbeiten und sind auf Sozialleistungen angewiesen. Diese werden die Einsparungen bei den Sprachkursen um ein Vielfaches übersteigen. Und in vielen Mangelberufen werden weiterhin Arbeitskräfte gesucht werden, obwohl es bereits vor Ort interessierte Menschen hierfür gibt – auch in Viernheim.

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